Fazit der Fachtagung Qualitätssicherung 2014 in Bad Orb

Der Weg zum Erfolg im Fenster- und Fassadenbau ist anstrengend aber lohnend. Insofern hat „Qualität“ durchaus etwas mit „quälen“ zu tun. Das ist das Fazit der Fachtagung zur Qualitätssicherung, die am 25. und 26. November 2014 gemeinsam vom Verband Fenster + Fassade (VFF), dem Bundesverband Flachglas (BF) und dem ift Rosenheim in Bad Orb veranstaltet wurde. Zusammen mit 80 Teilnehmern arbeiteten die aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengekommenen Referenten das Thema von zwei Seiten auf. Am ersten Veranstaltungstag standen die grundsätzlichen Fragen nach Kosten und Nutzen im Vordergrund; am zweiten Tag wurden die Fragen der praktischen Umsetzung erörtert. Begleitet wurde die Tagung von einer Fachausstellung, die Einblicke in Messtechnik und Prüfverfahren gab und damit „Qualität zum Anfassen“ bot.

 

Die Fachtagung „Qualitätssicherung“ war die erste ihrer Art, die gemeinsam von Christian Kehrer (Leiter ift Zertifizierungs- und Überwachungsstelle), Ulrich Tschorn (Verband Fenster + Fassade) und Jochen Grönegräs (Bundesverband Flachglas) eröffnet wurde. Gemeinsamer Antrieb der drei Veranstalter ist die Überzeugung, dass auf längere Sicht nur die Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein werden, die konsequent an der eigenen Qualitätsstrategie arbeiten. Dass Qualität ganz unterschiedliche Facetten und Zugänge aufweisen kann, wurde durch die Referenten sehr schnell deutlich.

Oliver Brune (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) erläuterte die Rolle und Aufgabe der Marktaufsicht in Deutschland und berichtete über aktuelle Fälle und teilweise abenteuerliche Erfahrungen bei der Überprüfung von Bauprodukten, zum Beispiel im Zusammenhang mit Holzöfen. Michael Friedrich (Rehau AG) informierte darüber, wie die Qualität über die komplette Wertschöpfungskette realisiert werden kann und stellte wissenswerte Beispiele und Erfahrungen aus der Automobilindustrie vor. Am täglichen Erfahrungshorizont der Teilnehmer knüpfte der Kommunikationsprofi Peter Rall (Kohl PR & Partner Unternehmensberatung) an. Nach seinem Vortrag war klar, dass mit Gütezeichen und Labels in der Tat erfolgreicher am Markt agiert werden könnte, wenn man sie nur konsequent und kundenfreundlich nutzen würde. Der Branchenprofi Christian Kehrer (ift) erläuterte die unterschiedlichen am Markt vorhandenen Zertifizierungssysteme und zeigte Wege auf, wie durch sinnvolle Kombinationen von unterschiedlichen Management- und Produktzertifizierungssystemen Synergien genutzt und Kosten gespart werden können. Die rechtlichen Aspekte beim Qualitätsthema brachte sehr prägnant und pointiert Professor Christian Niemöller (SMNG) auf den Punkt. Dabei gelang es ihm sogar, den Bogen zu schlagen zwischen dem aktuellen Qualitätsproblem einer bekannten Fast-Food-Kette und den Qualitätsproblemen in der Fenster- und Fassadenbranche.

Der zweite Veranstaltungstag stand dann ganz im Zeichen der praktischen Umsetzung der Qualitätssicherung. Jochen Grönegräs (BF) und David Hepp (ift) erläuterten die Anforderungen und Aspekte der Qualitätssicherung von Mehrscheiben-Isolierglas. Stephan Schmidt (Gütegemeinschaft Schlösser + Beschläge) und Stefan Ude (ift) konzentrierten sich auf die Anforderungen und Aspekte der Qualitätssicherung von Fensterbeschlägen. In den Vorträgen wurde deutlich gezeigt, dass die Qualitätssicherung von Glas und Beschlägen bereits auf einem sehr hohen Niveau ist.

In zwei getrennten Sessions wurde das Qualitätsthema näher beleuchtet. Zum Schwerpunkt „Holz und Kunststoff“ setzte sich Dr. Odette Moarcas (ift) mit einfachen Prüfverfahren zur Qualitätssicherung von Oberflächenbeschichtungen auseinander. Die Kunststoffseite vertrat Bernhard Elias (RAL-Gütegemeinschaft) mit einem Bericht über die neue RAL-GZ 716.
In der Session „Metall“ zeigte Frank Zirbel (ift) die Anforderungen an Metallprofile in Deutschland und Europa auf. Klaus Mayerhofer (Metall-Zert GmbH) erläuterte die Anforderungen der neuen EN 1090 für Metallbauer. Es wurde deutlich, dass Fenster- und Türenbauer im ersten Schritt nicht davon betroffen sind. Da jedoch im Rahmen einer Auftragsabwicklung oft Produkte wie Geländer oder Vordächer integriert sind, gehen die Anforderungen nicht ganz an diesen Herstellern vorbei.

David Hepp stellte erstmalig einzelne Details des neuen Stufenkonzepts zur Qualitätssicherung für Fenster und Außentüren vor. Das Konzept wurde zusammen mit der RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren, dem Verband Fenster + Fassade und dem ift Rosenheim erarbeitet und soll vor allem klein- und mittelständischen Betrieben den Einstieg in die Qualitätssicherung erleichtern.

Bei der von Jochen Grönegräs moderierten Podiumsdiskussion wurden die noch offenen Fragen ausführlich diskutiert und beantwortet. Alle Fragen und dazugehörige Antworten werden als zusätzlicher Service von der ift Akademie auf der Veranstaltungsseite der Tagung im Nachgang zur Verfügung gestellt.

Die Veranstalter sind sich sicher, dass es in Deutschland eine Qualitätsoffensive braucht, um künftig im hart umkämpften Markt als Qualitätsunternehmen bestehen zu können. Mit der Veranstaltung, die sowohl die Teilnehmer als auch die Initiatoren als durchweg positiv bewerten, konnte ein erster Anstoß dazu gegeben werden.

Die Folgeveranstaltung zu diesem Thema soll voraussichtlich wieder in Bad Orb am 25. und 26. November 2015 stattfinden.


Über das ift Rosenheim

Das ift Rosenheim ist eine europaweit notifizierte Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle und international nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert. Im Mittelpunkt steht die praxisnahe, ganzheitliche und schnelle Prüfung und Bewertung aller Eigenschaften von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren, Glas und Baustoffen. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung von Produktqualität, Konstruktion und Technik sowie Normungsarbeit und Forschung. Die Zertifizierung durch das ift Rosenheim sichert eine europaweite Akzeptanz. Das ift ist der Wissensvermittlung verpflichtet und genießt als neutrale Institution deshalb bei den Medien einen besonderen Status – die Publikationen dokumentieren den aktuellen Stand der Technik.