Bad Honnef. Möbel sind für alle da, für Junge, Alte und Menschen mit Behinderung. Daher brauchen sie auch ein Design, dass zu allen passt. Mit dem Forschungsprojekt Design für Alle, dessen Ergebnisse heute beim Bundeswirtschaftsministerium in Berlin vorgestellt werden, wurde auch in der deutschen Möbelindustrie mit Unterstützung des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) untersucht, wie weit die Branchen dieses Thema realisiert haben.

 

Fakt ist nämlich, dass wir immer älter werden. Dabei wollen wir so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben und auch wenn wir gebrechlich sind, unsere Wohnung nicht aufgeben. Für unseren späteren Alltagsgebrauch sind daher Gegenstände besonders geeignet, die sich einfach und komfortabel bedienen lassen. Ja solche, die uns in unserem jeweiligen Bedarf dienen. Handhabe, Nutzung und Funktion müssen so umgesetzt sein, dass ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen trotzdem einfach mit ihnen umgehen können. Und warum überhaupt nur Alte? Auch der junge Mensch hat großes Interesse an Bequemlichkeit, Einfachheit und Komfort. Soweit die Theorie. In der Praxis jedoch zeigten sich durch den Abschluss des im November 2012 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie beauftragten Forschungsprojektes mit dem akademischen Titel „Entwicklung handlungsleitender Kriterien für KMU zur Berücksichtigung des Konzepts Design für Alle in der Unternehmenspraxis“, die Bürden der konkreten Umsetzung.

Das Projektkonsortium, bestehend aus den Beratungsunternehmen NeumannConsult und grauwert, dem Institut für Innovationsmarketing der TU Hamburg-Harburg und Design für Alle – Deutschland e.V. (EDAD) untersuchte mithilfe von Expertenbefragungen und Interviews fünf Branchen. Die Branchen sind: Gesundheit (inkl. Healthcare und Medizintechnik), Sanitär (z. B. Produkte aus dem Bereich Badezimmer), Haushaltsgeräte (Groß- und Klein-Elektrogeräte), Möbel (für Küche, Schlaf- und Wohnzimmer, inkl. Handel und Service) und Hartwaren und Kunststoffprodukte (wie Haushaltswaren, Gartengeräte etc.). Für die meisten der kleinen und mittleren Unternehmen ist das Thema bisher undurchsichtig und kompliziert. Daher werden kaum Produkte unter dem Tenor Design für Alle produziert. Als Forschungsergebnis ergaben sich fünf Kriterien, die den Unternehmen einen Zugang zum Thema vereinfachen können. Diese Kriterien sind:

1.    Gebrauchsfreundlichkeit.
Produkte so zu gestalten, dass sie einfach und sicher nutzbar sind.
2.    Anpassbarkeit.
Produkte so zu entwickeln, dass unterschiedliche Nutzer sie an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können.
3.    Nutzerorientierung.
Nutzer und deren Perspektiven frühzeitig im Entwicklungsprozess zu berücksichtigen.
4. Ästhetische Qualität.
Nur attraktive Produkte können alle erreichen.
5. Marktorientierung.
Produkte breit positionieren, um das gesamte Marktpotenzial optimal auszuschöpfen.

Diese im Rahmen der Studie identifizierten Kriterien helfen, Design für Alle im unternehmerischen Handeln zu verankern. Das Bekenntnis der Unternehmenschefs und die Koordination und Kommunikation aller Aktivitäten innerhalb eines Betriebes sind allerdings wesentliche Voraussetzungen dafür, dass das Thema im ganzen Unternehmen „gelebt“ werden kann. Die genannten Instrumente können vor allem kleineren und mittleren Unternehmen einen schrittweisen Einstieg zur Berücksichtigung von Design für Alle im Entwicklungsprozess geben. Sie zielen auf langfristige Umstellungen und nachhaltige Neuausrichtung. Bei der heutigen Ergebnispräsentation in Berlin wird ein Leitfaden für Unternehmen vorgestellt, der die wichtigsten Ergebnisse praxisorientiert darstellt. Die Broschüre mit dem Titel „Besser für die Kunden, besser fürs Geschäft“, ermöglicht die Design für Alle Anforderungen auch für die Möbelindustrie abzuleiten. Der Leitfaden kann bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefordert werden.