Holzbearbeitung

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Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur III offenbaren ein zunehmendes Problem für Industrie und Gesellschaft: Steigende Altersstruktur, mehr Laubbäume und die rückläufige Holznutzung gefährden die Multifunktionalität des Waldes.

Am 8. Oktober wurden die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur (BWI) vorgestellt. Die Zahlen belegen: Dem deutschen Wald geht es gut. Baden-Württemberg übertrifft die bundesweiten Werte in vielen Punkten sogar, wie Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, in Stuttgart verkündete. Die regionale Holzindustrie sieht einige Ergebnisse jedoch kritisch. "Die Grundbotschaft der BWI ist sehr erfreulich", sagt Steffen Rathke, geschäftsführender Gesellschafter des Sägewerks B. Keck GmbH in Ehningen und Präsident des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH), verdeutliche diese doch, dass der Zustand des Waldes viel besser sei als zahlreiche Umweltverbände behaupten. "So positiv die ökologische Entwicklung der Wälder ist, offenbaren die Ergebnisse aber auch ein wachsendes Problem für Industrie und Gesellschaft", schränkt Rathke gleichwohl ein: "Die steigende Altersstruktur, die laubholzlastige Baumartenverteilung und die rückläufige Holznutzung im Staatswald deuten darauf hin, dass die Multifunktionalität des Waldes zunehmend außer Balance gerät."

Zu wenig Nadelbäume wachsen nach

Wie im gesamten Bundesgebiet geht auch in Baden-Württemberg der Waldumbau konsequent in Richtung Laubholz. Dessen Anteil stieg in den vergangenen zehn Jahren um weitere vier Prozent. Die Zahlen der BWI belegen: Wesentlich für diesen Trend ist der Rückgang der Flächenanteile bei Fichte und Kiefer. Für die Nutzenseite stellt dies ein großes Problem dar. Denn die Wertschöpfungskette Forst und Holz lebe heute, laut Rathke, zu 90 Prozent von Nadelholz. Fast zwei Drittel hiervon gehen in den Baubereich, Tendenz steigend. Eigentlich eine positive Entwicklung, ersetze Holz doch Baustoffe, die bei ihrer Produktion klimaschädliches CO2 verursachen. Allerdings gibt es bislang keine massentaugliche Alternativen aus Laubholz. Die Folgen seien daher absehbar: "In jüngeren Wäldern wachsen zu wenig Nadelbäume, um den künftigen Bedarf zu decken."
Um Schutz- und Nutzungsansprüchen in Zukunft gleichermaßen gerecht zu werden, fordert die Holzindustrie deshalb stabile, naturnahe Mischwälder mit ausgewogener Baumartenvielfalt und einem ausreichenden Anteil an Nadelhölzern. Die Zahlen der BWI seien diesbezüglich noch nicht zufriedenstellend. Zwar konnte der Anteil der leistungsstarken Douglasie in Baden-Württemberg weiter gesteigert werden, liegt aber noch deutlich hinter Laubbaumarten wie Esche oder Bergahorn. Die Tanne stagniert bei sechs Prozent. Für Rathke Anlass zur Sorge: "Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels muss auf eine Vielfalt im Wald gesetzt werden." Dazu gehören heimische, aber auch anpassungsfähige fremdländische Baumarten.
 
Wälder sind zu alt
Ein weiteres BWI-Ergebnis, das den Vertretern der Holzwirtschaft Sorgen bereitet, ist die Altersstruktur der Wälder. Mit 27 Prozent liegt der Anteil der Waldbäume über 100 Jahre im Südwesten über dem bundesweiten Durchschnitt. Ein bedenkliches Ergebnis, wie Rathke findet. Alte Bäume seien wesentlich anfälliger für Krankheiten und den Klimawandel. Für die Industrie sei das Holz aufgrund von Rissen und Pilzbefall oftmals wertlos. Es sollten künftig mehr alte Wälder forstwirtschaftlich genutzt und damit verjüngt werden, um die Vitalität des Waldes zu verbessern.
 
Holznutzung im Staatswald zurückgegangen
In den Zahlen der BWI spiegelt sich auch die Einrichtung von Schutzgebieten und des Nationalparks wider: Der Anteil an Waldflächen in Baden-Württemberg, auf denen die Holznutzung eingeschränkt oder ganz aufgegeben wurde, stieg weiter – insbesondere im Staatswald. Damit liegt die Nutzungsintensität dort nunmehr unter den anderen Waldeigentumsarten. Vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Versorgungssituation der Sägebetriebe ist das eine weitere Verschärfung: "Diese Flächenstilllegungen sind ökologisch nicht begründet", kritisiert Rathke. Hierdurch würden wertvolle Ressourcen verloren gehen und die regionale Wirtschaft geschwächt, ohne den Naturschutz und die biologische Vielfalt spürbar zu erhöhen.



Mit einem Waldanteil von 38 Prozent gehört Baden-Württemberg zu den waldreichsten Bundesländern. Das Cluster Forst und Holz ist mit rund 200.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro ein bedeutender volkswirtschaftlicher Faktor des Bundeslandes. Sollte die Politik in mancher Hinsicht ihre Strategie nicht ändern, sei dieser auf Perspektive jedoch gefährdet, betont Rathke abschließend.

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