VdDK-Vorstand berät zu kommender Küchenmesse und dem Logistikprojekt ZIM Log

Mit außergewöhnlicher Herzlichkeit wurden die Vorstände des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK e.V.), Herford, Anfang letzter Woche zu ihrer Herbstsitzung beim erfolgreichen Küchenmöbelhersteller Ballerina aufgenommen. Unter Leitung von Max Müller (Alno AG, Pfullendorf) – der den kurzfristig verhinderten VdDK-Vorsitzenden Stefan Waldenmaier vertrat – standen die Themen Living Kitchen 2015, die Zukunftsinitiative Möbellogistik (Zimlog) sowie technische und normative Belange im Fokus des Meetings.

Ein gelungenes Rahmenprogramm bot das gastgebende Unternehmen Ballerina-Küchen H.-E. Ellersiek GmbH, Rödinghausen. Inhaber Heinz-Erwin Ellersiek scheute weder Zeit noch Mühe und begleitete die gesamte Veranstaltung persönlich – nicht selten mit gewohnt direkten, pointierten  Diskussionsbeiträgen.

 

Ballerina, gegründet 1978, produziert heute mit ca. 250 Mitarbeitern auf 30.000 m² Werksfläche rund 25.000 Küchen pro Jahr. Das mittelständische Unternehmen mit einer Exportquote von etwa 50 % beeindruckt besonders in den letzten zehn Jahren mit einer überaus erfolgreichen Entwicklung. Das unterstrichen auch die jüngst zu Ende gegangene Hausmesse mit ihrer Fülle überraschender Produkt-Features als auch der überdurchschnittliche Umsatzzuwachs des laufenden Jahres.

Für kleine Living Kitchen-Aussteller immer ein offenes Ohr

Unter Tagesordnungspunkt 1 standen Arne Petersen und Eike Fuchs, Kölnmesse (Köln), dem Vorstand des VdDK Rede und Antwort zum Status des kommenden Küchenevents Living Kitchen. Wichtige Message von Petersen, seit 1. August Geschäftsbereichsleiter Messemanagement: Die Living Kitchen bleibt weiter „Chefsache“ von CEO Gerald Böse, die bisherige Erfolgsgeschichte soll dauerhaft fortgeschrieben werden.

Die kommende Messe im Januar gibt Zuversicht: Die Hallen 4.1, 4.2 sowie 5.2 sind mit 42.000 m² Standfläche vollständig gebucht, die Qualität der Aussteller ist als hoch zu bewerten. Befürchtungen, die Elektrogerätebranche könne insbesondere kleine Küchenhersteller dominieren, konnte Projektleiter Fuchs weitgehend zerstreuen. VdDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Lucas Heumann verdeutlichte dem Projektmanagement jedoch eindringlich, dass für die Living Kitchen die Vielfalt der Aussteller und das marktplatzähnlichen Flair durch kleinere Anbieter geradezu substanziell seien.

Internationales Messenetzwerk der Kölnmesse nutzen

Die grundlegenden Messeziele – nicht nur für das Event 2015 – sind klar fokussiert: mehr Fachbesucher, vor allem aus dem Ausland, mehr Küchenhersteller als Aussteller aus Asien (China!), Ost- und Mitteleuropa, Russland, Indien und der Türkei, gezielte Markenkommunikation im Ausland, breite Öffentlichkeitsarbeit und Werbung über alle Kanäle. Besonders zielführend, so strichen die Vertreter der Messe heraus, sei der prosperierende Zuwachs abgerufener Eintrittsgutscheine über die ausstellenden Firmen.

Momentan haben sich 170 Aussteller angemeldet, davon 20 Neukunden aus Brasilien, China, Litauen, Slowenien und den USA. Das Fernbleiben einzelner deutscher Küchenhersteller wird vom Verband wie Kölnmesse unisono bedauert, allerdings waren wohl primär unternehmensspezifische Gründe für diese Entscheidungen ausschlaggebend. Ein derzeit unglücklicher Umstand, der gerade mit Blick auf den innovativen Küchen-Standort Deutschland jedoch zeitlich begrenzt sein sollte.

Living Kitchen als internationale Ordermesse aufgestellt

In der Aussprache verwies Heinz-Erwin Ellersiek auf den besonderen Einsatz der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile für den sehr kurzfristig erreichten Markterfolg der Living Kitchen. Dennoch gelte es zu bedenken, dass nur die Präsenz aller deutschen Küchenmöbelhersteller in Köln die Branche gerade international stärke – auch wenn ein direkter Umsatzschub durch die Living Kitchen unmittelbar nicht zu erwarten sei. Dieser Zwiespalt, so Ellersiek mahnend, sorge immer wieder für Diskussion bei den jährlichen Budgetgesprächen in den Unternehmen.

In einem zweiten Sitzungsschwerpunkt kam die Initiative „Zimlog“ zur Diskussion. Verbandsmitarbeiter Andreas Ruf stellte heraus, wie seit einem ersten Rundtisch-Gespräch bei einem Fachverlag das Themenfeld Logistik inzwischen in der Branche an Fahrt gewonnen hat. Hinter den Schlagworten „Rampe“, „Nachtlieferung“, „Fahrerexodus“ und Online-Geschäft offenbart sich gewaltiger Handlungsdruck, der in der Projektstruktur von ZIMLog seinen Niederschlag findet.

Nicht nur Diesel und Gummi: beleglosen Warenverkehr im Fokus

Als einen Baustein logistischer Optimierung betrachtete Gastreferent Paul Schwefer (Intargia Managementberatung) das Zimlog-Pilotprojekt „Belegloser Warenverkehr“. Verschiedene Marktakteure sind hier unter diesem Dach zusammengekommen und bereiten EDI-basierte Branchenlösungen unter Berücksichtigung sehr heterogener, unternehmensspezifischer Bedingungen vor. Neben verschiedenen Software-Häusern ist vor allem das DCC über den Fachbereich Küche/ Bad eingebunden.

Neben den von Dr. Lucas Heumann wie stets routiniert abgehandelten Verbandsformalien thematisierte der Geschäftsbericht die Auswertung der Auftragseingänge, die Kennzeichnungsverpflichtung von Möbeln mit Herstellerangaben, die Rechtsstreitigkeiten über die Belieferung von Onlinehändlern, das geänderte Reglement zum Messeaufbau vor der Living Kitchen, den Arbeitskreis Hausmessen OWL, das kommende Leichtbau-Symposium sowie weitere Arbeitsschwerpunkte.

Georg Lange vom HDH/VDM genoss danach die ungeteilte Aufmerksamkeit des Vorstandes. Denn er brachte verschiedene folgenreiche Entwicklungen aus normativer und technischer Sicht auf den Punkt. Darunter die im Russlandgeschäft künftig zu erbringenden Konformitätsnachweise, zu denen leider alle Dialogbemühungen derzeit „auf Eis“ liegen.

Die Standards werden in Asien gesetzt?

Oder aber beispielsweise verschiedene Emissionsgrenzwerte, die sich international in Revision und Überarbeitung befinden. Das Problem an dieser Stelle: So wie europäische Normungsorganisationen in den CEN- oder ISO-Gremien immer schwächer werden, wächst der Einfluss Chinas – und damit die Dominanz des asiatischen Wirtschaftsgiganten mit Blick auf Regeln und Normen für alle nur denkbare Erzeugnisse, wie beispielsweise von Küchen. Und es steigt die Gewichtung einzelner aktiver Konzerne mit ihrer selbstbezogenen Unternehmenspolitik – ein Elch, wer Arges dabei denkt.

Mit einem kleinen Schmankerl konnte Lange zusätzlich punkten: Viele der Küchenmöbelhersteller sehen sich beinahe täglich mit der „Glaubensfrage“ konfrontiert, ob PEFC-zertifizierte Holzwerkstoffe oder aber die nach dem (sehr) ähnlichen FSC-Standard zertifizierten die „wirklich guten“ seien. Dank brasilianischem Vorstoß sei nunmehr eine ISO-Norm „Lieferkette von Forstprodukten/ Zertifizierung von Holz“ mit neutralem Charakter in Arbeit, die diese lässliche Auseinandersetzung beenden sollte. Die VdDK-Vorstandstagung endete mit einem Rundgang durch die Ausstellung von Ballerina-Küchen und einem Besuch der Produktion – geführt von Ballerina-Geschäftsführer Heiko Ellersiek.