Andreas Lingner zur IFH/Intherm, 10. April 2014

„In Deutschland haben wir keine andere Chance als die Kräfte von Kesselherstellern und Pelletproduzenten zu bündeln!“

Herr Lingner, Sie wurden am 28. März zum neuen DEPV-Vorsitzenden gewählt. Was hat Sie zu diesem Amt motiviert?

 

Lingner: Die nachhaltige, weitere Etablierung der Pelletbranche im Wärmemarkt ist mein Ziel. Ich wurde vor drei Jahren schon in den erweiterten Vorstand gewählt und konnte seitdem die Arbeit des DEPV unterstützen und mitgestalten. Wenn man etwas bewegen will, muss man auch Verantwortung übernehmen. Also habe ich mich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, für das Amt des Vorsitzenden anzutreten. Mein Vorgänger, Martin Bentele, hatte ohnehin betont, nur für eine Amtszeit zur Verfügung zu stehen, um sich wieder auf die Geschäftsführertätigkeit bei DEPV und dem Deutschen Pelletinstitut (DEPI) zu konzentrieren.

Beim Pelletverband erwartet man eigentlich doch eher einen Vertreter der Rohstoffseite an der Spitze!

Lingner: Dem widerspreche ich: Eine solche Trennung von Pelletproduzenten und den Herstellern von Feuerungstechnik ist weder das richtige Signal an den Rest des Wärmesektors noch ist sie zielführend. Selbst in Ländern, in denen das Holz einen höheren gesellschaftspolitischen Stellenwert hat, funktioniert diese Trennung nicht. In Deutschland haben wir keine andere Chance, als alle unsere Kräfte zu bündeln. Das heißt, im DEPV müssen die Akteure der Kesselhersteller und Brennstoffseite an einem Strang ziehen. Nur dann werden wir hier wahrgenommen. Darüber hinaus haben wir einen relativ großen gemeinsamen Nenner. Wenn es beim Zubau von Pelletfeuerungen voran geht, geht’s uns allen gut, auch den Pelletproduzenten!

Was verhindert denn in Deutschland eine schnellere Geschwindigkeit beim Um- bau des Heizungsmarktes?

Lingner: Nun, dass die Energiewende im Heizungskeller bei den Menschen nicht erste Priorität hat, liegt sicher an mehreren Gründen: Der Wärmemarkt ist wesentlich komplexer als der Stromsektor, wo die Energieversorger zusammen mit der Politik die Weichen stellen. Bei uns gibt es verschiedene Gebäudetypen, die Eigentumsfrage, das Problem der Investitionskosten und dazu ein breites Angebot an Möglichkeiten, wie man heizt. Das überfordert viele Verbraucher, die dann erst einmal gar nichts tun.

Warum sagen Sie es dann dem Verbraucher nicht einfach?

Lingner: Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Für Werbung beim Verbraucher sind DEPV und DEPI nicht entsprechend finanziell ausgestattet. Also müssen wir unseren Ball über Bande spielen. Unsere wichtigste Zielgruppe ist dabei der Heizungsbauer. Wenn wir dort eine ausreichende Zahl an motivierten und überzeugten Pelletfans haben, ist das der Schlüssel zum Erfolg. Mit der Kampagne „Fachbetrieb Pellets und Biomasse“ hat das DEPI jetzt innerhalb von drei Jahren eine Basis von über 1.500 geschulten Installateuren geschaffen. In Zukunft brauchen wir aber eine noch größere Marktdurchdringung in der SHK Branche. Denn wenn der Kunde bei diesen Fachbetrieben aufschlägt, wird er in den meisten Fällen von den Vorzügen einer modernen Pelletheizung überzeugt!

Und von der Politik fordern Sie nichts?

Lingner: Doch! Auch wenn wir selbst, wie betont, eine ganze Reihe Hausaufgaben haben, muss die Politik für passende Rahmenbedingungen sorgen, damit die Energiewende auch den Heizungsmarkt erfasst. Dazu gehört aus meiner Sicht ein Konzept, das mittelfristig in unterschiedlicher Intensität Anreize und ordnungspolitische Maßnahmen verbindet. Das muss aber mindestens auf 15 bis 20 Jahre angelegt sein. Zurzeit fehlt es leider bei allen Parteien an dieser politischen Weitsicht.

Was sehen Sie denn stattdessen?

Lingner: Dass man sich momentan gar nicht mit dem Thema Heizungsmarkt befasst, und das ist schade. Das heute wieder gut genutzte Marktanreizprogramm (MAP) stellt ein Mindestmaß an Förderung dar, um den Ausbau der Erneuerbaren Energie im Wärmemarkt voranzutreiben. Es müsste aber eigentlich ausgebaut und um eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit erweitert werden – beides wurde jedoch in der Endphase aus den Koalitionsbeschlüssen gestrichen! Mit Blick auf die Zukunft ist meine Befürchtung, dass die Politik bald bei der Wärmewende in Zugzwang gerät, um ihre selbst gesteckten Ziele noch zu erreichen. Unter Druck entstehen oft unausgegorene Lösungsansätze. Dies erkennen wir an der letzten EnEV-Novelle. Wir werden uns auf jeden Fall jetzt schon und rechtzeitig als Gesprächspartner anbieten. Anstelle von umweltbedenklichen Themen wie „Fracking“ sollte man sich z.B. lieber damit beschäftigen, moderne und umweltfreundliche Biomasseheizungen in den Fokus der Bürger zu bringen.

Gibt es auch aktuell „brennende“ Themen?

Lingner: Oh ja, die gibt es natürlich neben der eben beschriebenen Situation auch. Mit Blick auf die zum 1. Januar 2015 anstehende 2. Stufe der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlage, kurz 1. BImSchV genannt, haben wir Bauchschmerzen. Auf dem Prüfstand erfüllen die modernen Pelletkessel die erforderlichen Werte bereits heute, denn diese müssen zur Förderfähigkeit für das Marktanreizprogramm seit diesem Jahr nachgewiesen werden.

Ab 2015 sollen diese besonders strengen Werte aber im Feld, also beim Betreiber im Heizungskeller, gemessen werden. Dort können sehr viele äußere, vom Kessel unabhängige, Einflüsse die Messung beeinflussen. Dieser Umstand bereitet uns Sorge.

Aber wenn man den Feinstaubausstoß bei der Holzverbrennung verringern will….

Lingner: … dann sollte man dort ansetzen, wo über 95 Prozent der Emissionen bei der Holzverbrennung entstehen: bei alten, ineffizienten Holzöfen, die in der 1. BImSchV allerdings noch bis 2015 ohne Einschränkungen vor sich hin qualmen dürfen! Das war der Politik zu heiß, aber meiner Meinung nach schießt sie damit am Ziel weit vorbei!

Was erwarten Sie im Bereich der Brennstoffentwicklung?

Lingner: Unsere Bemühungen um die Pelletqualität durch die ENplus-Zertifizierung ist eine Erfolgsgeschichte, die mittlerweile um die Welt geht. Sie ist aber eine Daueraufgabe, wie das Thema internationaler Handel zeigt. Nachhaltigkeitskriterien werden hier noch stärker verankert werden müssen. Darüber hinaus glaube ich, dass es Zeit wird, auch zertifizierte Hackschnitzel unter das ENplus-Dach zu bringen. Da ist das DEPI aufgrund seiner Erfahrung die richtige Stelle!


Andreas Lingner wurde von der Mitgliederversammlung am 28. März 2014 für die Dauer von drei Jahren zum neuen DEPV-Vorsitzenden gewählt. Der 49jährige gebürtige Hannoveraner führt hauptberuflich seit Januar 2010 in Deutschland die Geschäfte von KWB Biomasseheizungen GmbH. Vorher war er Bereichsleiter Nord der Elco GmbH sowie Niederlassungsleiter bei verschiedenen Kesselherstellern.

Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e. V. vertritt seit 2001 die Interessen der deutschen Pellet- und Holzenergiebranche. Kessel- und Ofenhersteller, Produzenten von Pellets und weiterer Energieholzsortimente, Komponentenhersteller sowie Vertriebs- partner haben sich in diesem Bundesverband organisiert.

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