Nahwärmeversorgung aus zentralem Heizwerk mit Biomassefeuerung

Steigende Energiepreise werden für Industrie und Gewerbe immer mehr zum entscheidenden Kostenfaktor. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, haben drei mittelständische Unternehmen im bayerischen Memmingen die Energiewende für sich vollzogen. Rund 80 Prozent ihres Energiebedarfs deckt kostengünstiges Holz aus der Region, das in einem zentralen Heizwerk in Wärme umgewandelt wird.

Wirtschaftlich und klimaschonend

Als Brennstoff bietet Holz vielfältige Vorteile. Es ist ein heimischer Rohstoff, der nicht aus anderen Ländern importiert werden muss und im Vergleich zu Öl und Gas nur geringen Preisschwankungen unterliegt. Im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien wie Wind und Sonne ist Holz unabhängig vom Wetter, der Tages- und Jahreszeit ständig verfügbar und kann problemlos bevorratet werden. Darüber hinaus verbrennt Holz CO2-neutral, seine energetische Nutzung ist deshalb ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Aus diesen Gründen entscheiden sich neben der Holzindustrie auch immer mehr Unternehmen aus anderen Branchen für den Energieträger Holz.
Im Heizwerk Memmingen wandelt ein Pyroflex Kessel der Viessmann Tochter Mawera mit einer Nenn-Wärmeleistung von 3300 Kilowatt die angelieferten Holzhackschnitzel effizient und umweltschonend in Wärme um. Diese Kessel werden individuell nach den Anforderungen der jeweiligen Anwendung konzipiert und sind mit Leistungen von 110 Kilowatt bis hin zu 13 Megawatt lieferbar. Durch die Flachschubrostfeuerung eignen sie sich besonders gut für die Wärmeerzeugung aus trockenen bis sehr feuchten (sägefrischen) Holzbrennstoffen, für die keine Vortrocknung notwendig ist. Für den vollautomatischen Betrieb des Kessels bietet der Hersteller darüber hinaus komplette Anlagen-Lösungen: Silo- und Bunkeraustragungen mit Transportschnecken oder hydraulische Fördereinrichtungen für die Beschickung, Systeme zur automatischen Entaschung, Abgassysteme und -ventilatoren, Zyklon- und Multizyklonabscheider, Elektrofilter zur Rauchgasreinigung sowie Kamine. Ebenso sind Einrichtungen zur Fernüberwachung und Fernwartung lieferbar. Im Heizwerk Memmingen wurde zudem ein System zur Wärmerückgewinnung installiert. Durch den Einsatz eines Abgaswärmetauschers wird den Abgasen Wärme entzogen und dem Heizungswasser zugeführt. Dadurch steigt der Kesselwirkungsgrad auf deutlich über 90 Prozent.

Strom wird selbst produziert

Neben dem Pyroflex Hackschnitzelkessel kommt in Memmingen noch ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) Vitobloc 200 mit einer elektrischen Leistung von 140 Kilowatt und einer thermischen Leistung von 207 Kilowatt zum Einsatz. BHKW haben gegenüber herkömmlichen Kraftwerken den Vorteil, dass die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden kann, das macht sie besonders effizient. In Memmingen wird die Wärme des BHKW in das Nahwärmenetz eingespeist.


Das Vitobloc 200 ist eine anschlussfertig gelieferte Einheit des bayerischen Herstellers ESS Energie Systeme & Service GmbH, wie Mawera ebenfalls ein Mitglied der Viessmann Group. Ein Sechszylinder-Gasmotor treibt in diesem BHKW einen Synchrongenerator für die Stromerzeugung an. Der Strom dient zum Teil zur Deckung des Eigenbedarfs im Heizwerk, der Überschuss wird gegen Vergütung in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Der Gesamtwirkungsgrad des BHKW beträgt bis zu 90,4 % (Hi) und kann – wie in Memmingen – mit einem Vitotrans 200 AC Abgaswärmetauscher zur Brennwertnutzung der Abgase gesteigert werden.

Erweiterung steht bevor

Derzeit steht in dem Heizwerk noch ein Gas-Heizkessel mit 5000 kW, der zur Spitzenlastabdeckung sowie als Reserve dient. Ein Pufferspeicher neben dem Heizwerk mit 100.000 Liter Volumen nimmt aktuell nicht benötigte Wärme auf, gleicht Bedarfsspitzen aus und sorgt so für eine gleichmäßige Auslastung des Hackschnitzelkessels.
Entwickelt wurde das Konzept für die wirtschaftliche und klimaschonende Nahwärmeversorgung in Memmingen von der e-con AG, die auch Betreiber der Anlage ist. Professionelle Projektentwicklung von der Grundlagenanalyse über Konzeptentwicklung, Planung und Umsetzung bis zum Energieconsulting und -contracting unter dem Ansatz der ganzheitlichen Systembetrachtung sind die Spezialität des Unternehmens.
Der Erfolg des e-con-Konzeptes hat inzwischen weitere Firmen in der Nachbarschaft überzeugt. Eine Erweiterung des Heizwerks ist deshalb möglich. Bisher wurde das Projekt vom Freistaat Bayern im Rahmen des Förderprogramms „Bioklima“ unterstützt.